Interviewprofil

Interview

Was interessiert Sie besonders an Ihrem Schwerpunkt Krise?

Krisen gehören zum Leben. Was mich besonders interessiert ist das, was Krisen bei Menschen auslösen können. Aus meiner Sicht bieten Krisen die Chance, die eigene Identität zu entdecken, also herauszufinden: Wer bin ich wirklich? Was ist mir wichtig im Leben? Wer dies weiß, ist souverän und kann Prioritäten setzen. Souveränität bedeutet für mich, sich an den eigenen Werten und Maßstäben zu orientieren und sich unabhängig zu machen von den Bewertungen anderer.

Kann man also nur zu Ihnen kommen, wenn man eine Krise hat?

Nein, das bedeutet es nicht. Alle Menschen, die an einem Wendepunkt stehen, sich weiter entwickeln wollen oder einfach ihre beruflichen Erfahrungen reflektieren möchten, sind willkommen.

Teams und Organisationen wenden sich häufig an mich, um ihre Situation mit einer Person, die nicht in das Teamgeschehen involviert ist, zu reflektieren. So können sie ihren Horizont erweitern und dadurch ihre Arbeit qualitativ verbessern. Dazu muss ein Team nicht erst in eine Krise geraten.

Wie sind Sie zu dem gekommen, was Sie heute machen?

In meinem beruflichen Leben haben mich zwei Bereiche schon immer interessiert. Zum einen ging es mir immer darum, die Beziehungen, die Menschen zueinander haben, zu erforschen und vor allem etwas über Menschen in Grenzsituationen zu erfahren.

Zum anderen interessiere ich mich für Strukturen in Organisationen. Diese Interessenschwerpunkte finden sich auch in meinem Lebenslauf wieder.

Ich habe Sozialarbeit und Psychologie studiert. Nach einigen Jahren der Arbeit mit psychisch kranken Menschen habe ich begonnen, Menschen in Lebenskrisen zu beraten.

Parallel dazu habe ich mich damit beschäftigt, wie Teams funktionieren und welche strukturellen Gegebenheiten die inhaltliche Arbeit beeinflussen.

Meine Kompetenzen als Gestalttherapeutin und Organisationsberaterin spiegeln diese Bereiche auch wieder.

Heute bedeutet das, dass ich den analytischen Blick auf Strukturen und den psychologischen Blick auf individuelle Reaktionsmuster nutze, um meine Kundinnen und Kunden zu unterstützen.

Welchen Vorteil hat es für Ihre Arbeit als Coach und Supervisorin, dass Sie auch Psychotherapeutin sind?

Durch meine Ausbildung zur Psychotherapeutin und die jahrelange Praxis als Therapeutin kann ich differenzieren, welche Themen in einem Coaching bearbeitet werden können und was einer längerfristigen Psychotherapie bedarf. Im Coaching ist es für mich häufig hilfreich, Schwierigkeiten, die in der Lebensgeschichte meiner Klientinnen und Klienten begründet sind, zu erkennen. Ich entdecke mit ihnen manchmal Muster und Blockaden, die sie schon lange haben und die dann im Coaching bearbeitet werden können, ohne dass es deshalb eine Psychotherapie wird.

Die Erfahrung mit Gruppen und den verschiedenen Dynamiken, die in einer Gruppe entstehen können, machen meine Arbeit mit Teams und Organisationen effektiver.

Haben Sie selber schon Krisen erlebt?

Natürlich, sonst wäre es wirklich schwer, diese Arbeit zu machen. Ich habe erlebt, wie Krisen und schwierige Situationen Entwicklung ermöglichen. Der Weg in die Selbständigkeit war für mich ein steiniger Weg, auf dem ich viel über das Überwinden von Ängsten und den Umgang mit Unsicherheit gelernt habe. Auch meine Kinder bringen mich immer wieder in Grenz- und Überforderungssituationen, in denen ich das Wachsen und den Umgang mit Rückschlägen lerne.

Was ist Ihnen besonders wichtig in der Beratungsarbeit?

Ich glaube daran, dass sich Souveränität, Stärke und Erfolg von innen heraus entwickeln und dass jede/r für sich definieren muss, was diese Bereiche für sie/ihn überhaupt heißen. Auf dem Weg dorthin heißt es, an der eigenen Identitätsentwicklung zu arbeiten, sich also selber besser kennen zu lernen, die eigenen Schwächen zu akzeptieren, sich seiner Stärken gewahr zu sein, zu wissen, was mir wirklich wichtig ist und auf welche Werte ich mich beziehe. Dies gilt für Einzelpersonen genauso wie für Organisationen. Menschen auf diesem Weg zu begleiten ist für mich eine Freude.